Viele Menschen machen einen Bindungstyp-Test, um mehr über ihre Beziehungen, Muster und ihre Verlustangst zu verstehen. Doch oft bleibt nach dem Testergebnis die Frage: „Und was mache ich jetzt damit?“
In diesem Artikel erfährst du, warum klassische Bindungstypen-Tests zu kurz greifen, wie mein schematherapeutischer Ansatz funktioniert und wie du das Ergebnis wirklich für dich nutzen kannst.
Was ist ein Bindungstyp-Test?
Ein Bindungstyp-Test soll aufzeigen, welcher Bindungsstil dein Verhalten in Beziehungen prägt. Die bekanntesten Kategorien sind:
sicherer Bindungstyp
unsicher-vermeidender Bindungstyp
unsicher-ambivalenter Bindungstyp
desorganisierter Bindungstyp
Diese Typen können eine erste Orientierung geben. Sie erklären, warum Nähe und Distanz in Beziehungen unterschiedlich erlebt werden. Doch: sie sind nur ein Etikett – und sagen wenig darüber, warum du dich so verhältst.
Warum klassische Bindungstypen-Tests oft nicht reichen
Die meisten Tests stellen Fragen, ordnen dich in eine Kategorie ein und fertig. Das Problem:
Sie bleiben an der Oberfläche.
Sie helfen dir nicht, deine Dynamiken im Alltag zu verstehen.
Sie zeigen nicht, wie deine Verlustangst oder deine Strategien entstanden sind.
Kurz gesagt: Ein Label allein verändert nichts.
Mein Ansatz: Bindungstyp-Test auf Basis schema-therapeutischer Dynamiken
Der Bindungstyp-Test, den ich entwickelt habe, basiert auf schematherapeutischen Dynamiken. Das bedeutet: Er schaut nicht nur, welcher Typ du bist, sondern vor allem, welche Strategien du nutzt, um mit deinen Bedürfnissen umzugehen.
Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse
Wir alle brauchen Sicherheit, Nähe und Verbindung.
Wenn diese Bedürfnisse in der Kindheit nicht zuverlässig erfüllt wurden, entwickeln wir Bewältigungsstrategien, um uns zu schützen.
Das kann so aussehen:
Vermeidung: „Ich will Verbindung – aber Nähe fühlt sich gefährlich an. Also bin ich extrem wählerisch: Die, die ich will, wollen mich nicht. Und die, die mich wollen, will ich nicht.“
Unterwerfung/Anpassung: „Ich stelle meine Bedürfnisse zurück, damit ich nicht verlassen werde. Oft nehme ich sie gar nicht mehr wahr und richte mich nach den Wünschen anderer.“
Überkompensation: „Ich wirke stark und unabhängig – und halte alle auf Abstand. Dabei sehne ich mich innerlich nach Nähe.“
Diese Strategien sind kein Zeichen von Schwäche. Sie waren in deiner Kindheit hilfreich, um dich zu schützen. Heute blockieren sie aber oft das, was du dir am meisten wünschst: Nähe, Liebe und Sicherheit.
Verbindung ist immer beidseitig
Um diese Schutzstrategien langsam abzulegen, braucht es einen neuen Blick: Verbindung ist immer beidseitig.
Das bedeutet:
Du übernimmst zuerst den Teil der Verantwortung, der bei dir liegt.
Du verbindest dich mit dir selbst.
Von dort aus sprichst du eine Einladung an den anderen aus.
Beispiele:
„Ich gehe spazieren. Willst du mitkommen?“
„Ich möchte diesen Film sehen. Magst du ihn mit mir anschauen?“
Das ist eine Einladung: klar, offen, ohne Druck.
Es ist etwas völlig anderes als Vorwürfe wie: „Wir machen nie etwas zusammen“ oder „Immer muss ich alles vorschlagen“.
Vorwürfe sind keine Verbindung – Einladungen schon.
Verbindung beginnt bei dir
Wie aber kannst du dich zuerst mit dir selbst verbinden? Oft gelingt das über Sinneseindrücke.
Frage dich:
Mit welchem Sinneseindruck möchte ich mich gerade verbinden? (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen)
Wie kann ich dieses Bedürfnis selbst erfüllen? (Natur, Bewegung, Musik, gutes Essen, Schreiben, Achtsamkeit, Berührung)
Wie kann ich daraus eine Einladung an den anderen formulieren?
Ein persönliches Beispiel: Für mich ist Schreiben eine Form der Selbstverbindung. Ich habe meinen Partner früher eingeladen, mit mir Briefe zu schreiben. Für andere ist es Berührung – eine Hand aufs Herz legen, den Atem spüren, und von dort aus in echte Begegnung gehen.
Fazit: Dein Bindungstyp-Test ist nur der Anfang
Ein Bindungstyp-Test zeigt dir dein Muster. Doch die eigentliche Transformation beginnt, wenn du erkennst:
Deine Strategien waren Schutz.
Heute halten sie dich zurück.
Verbindung entsteht, wenn du dich zuerst mit dir selbst verbindest – und dann eine Einladung aussprichst.
So wird aus einem Testergebnis ein Weg in mehr Freiheit, Nähe und Authentizität.
👉 Wenn du dein Ergebnis vertiefen willst: Hier geht’s zum Bindungstyp-Test